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Cloubhouse im HR Praxistest: innovativer Gamechanger oder doch nur Zeitverschwendung?

Cloubhouse im HR Praxistest: innovativer Gamechanger oder doch nur Zeitverschwendung?

Und plötzlich war da Clubhouse! Scheinbar über Nacht war eine App in aller Munde und genauso schnell tummelten sich dort alle möglichen ExpertInnen, Influencer, Investors und viele viele andere unterschiedliche Menschen. Auch ich besuche seit knapp 2 Wochen fast regelmäßig das Clubhouse und wurde auch schon selbst zu einem Panel eingeladen. Dadurch, dass so viele verschiedene Personen aus den verschiedensten Branchen dort unterwegs sind, gehen auch die Meinungen zum Nutzen bzw. zum Mehrwert von Clubhouse auseinander. Ich hab mal ganz genau mit meiner HR-Brille draufgeschaut und meine Eindrücke und Erfahrungen hier gesammelt …

Willkommen bei Clubhouse!

Vor ein paar Wochen tauchte eine neue App am Social Media Himmel auf. Die Aufruhr war groß und die Community teilte sich sehr rasch in jene, die dieses neue Kommunikationsmittel sehr schätzten und auch sofort für sich beanspruchten. Andere ließen sehr schnell merken, dass sie nicht noch eine neue Social Media App wollten und sprachen der App dementsprechend Potential ab. Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn auch nicht sehr enthusiastisch war, als ich hörte, dass es plötzlich eine App gab, die so stark gehyped wurde. Doch ich versuchte alle Meinungen auszublenden und mir selbst ein Bild davon zu machen. Ich finde, das ist immer noch der allerbeste Weg herauszufinden, ob und welches Potential dahintersteckt. Deshalb: Viel Spaß mit meinen Eindrücken!

Let‘s start … with facts!

Clubhouse ist eine Audio-only-App, bei der man Gesprächen zu den verschiedensten Themen lauschen kann, wie bei einem Live-Podcast. Weiters kann man sich durch „Handheben“ auch aktiv an der Diskussion beteiligen, wenn man vom/von der ModeratorIn auf die virtuelle Bühne geholt wird. Es gibt keine Likes, keine schriftlichen Kommentare und auch keine eingeschaltete Kamera. Wie bei einem Club in Real live gibt es auch hier einen Türsteher, also eine Barriere und das sind alle anderen Systeme als iOS. Sprich, derzeit ist es nur IPhone-User vorbehalten, diese App im App Store downzuloaden. Doch nicht nur das, auch wenn man die App installiert und sich auch registriert hat, kann man noch nicht partizipieren. Ohne Einladung von jemanden, der/die bereits User ist, gibt es keine Chance, einen konkreten Blick auf diesen neuen Social Media Hype zu werfen. Es befindet sich also wiederum eine gewisse Bubble auf der Plattform, die natürlich seines- oder ihresgleichen hinzufügt. Ein weiterer Kritikpunkt geht in Richtung Datenschutz: Nicht nur, dass die persönlichen Daten auf amerikanischen Servern liegen, sondern um weitere Personen zu Clubhouse einzuladen, muss man die App auf die persönlichen Kontakte am Smartphone zugreifen lassen. Blockiert man diese Anforderung, ist es auch nicht möglich, jemanden einzuladen.

How it works!

Die Funktionalitäten sind sehr einfach und die Möglichkeiten überschaubar. Man findet sich also sehr schnell sehr gut zurecht. Der Austausch findet in Clubhouse über sogenannte „Rooms“ also Räume statt. Jeder User kann ganz simpel mit einem Klick selbst einen solchen Raum eröffnen oder auch öffentlichen Räumen beitreten. Auch geschlossene Räume sind möglich, um sich privat zu unterhalten. In den Rooms gibt es weiters 3 verschiedene User-Rollen:

ModeratorInnen: Wie auch in Real Life leiten diese die Diskussion, in dem sie Personen auf die virtuelle Bühne holen und sie so zu SprecherInnen machen. Weiters können sie diese auch wiederum entfernen

SprecherInnen: Diese Personen können aktiv an der Diskussion teilnehmen und Wortbeiträge leisten

ZuhörerInnen: Man kann es sich vorstellen, wie im wahren Leben: Man öffnet die Türe zu einem Raum, schleicht sich leise hinein, nimmt Platz und hört einfach mal zu. Per Knopfdruck lässt sich dann die Hand heben, um dem/der ModeratorIn zu signalisieren, dass man etwas zum Gespräch beitragen möchte. Merkt man nach einigen Minuten, dass die Diskussion uninteressant ist oder hat man einfach andere Pläne, kann man den Raum per Knopfdruck auch wiederum ganz leise verlassen („leave quietly“).

Specials:

Wie oben schon erwähnt, lässt sich ein Room ganz schnell erstellen, es ist aber auch möglich, Diskussionsrunden vorzuplanen. Ich wurde selbst einmal zu so einer Diskussionsrunde zur „Zukunft des Büros“ eingeladen, die auch ein paar Tage vorher organisiert wurde. So hat man Zeit das Panel zusammenzustellen und auch die Werbetrommel für die Runde zu rühren, um möglichst viele User zu erreichen. Die App verfügt auch über eine Art Kalenderansicht, um im Blick zu behalten, wann Räume eröffnet werden und um welches Thema es sich handelt.

Weiters hat man auf Clubhouse (vergleichbar mit Instagram) ein Profil mit einer Bio, in der man zusätzliche Informationen über sich selbst angeben kann. Es besteht darüber hinaus auch eine Verlinkung des eigenen Instagram- und Twitter-Profils. Eine Besonderheit in diesem Kontext ist, dass in deinem Profil öffentlich angezeigt wird, von wem du eingeladen wurdest. Ein guter Grund, warum man seine Einladungen mit Bedacht verteilen sollte.

Clubhouse & HR?!

Soweit mal zu den Fakten und Funktionalitäten. Ich bin mir natürlich bewusst, dass es derzeit noch viele weitere Kritikpunkte, gerade in Richtung Datenschutz und Hatespeech sowie auch Diversität gibt, auf die ich aber in diesem Artikel nicht weiter eingehen werde. Nicht weil sie nicht wichtig sind, im Gegenteil, jedoch möchte ich mich nun auf den HR Fokus konzentrieren. Wie schon erwähnt tummeln sich ja allerhand Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen auf dieser Plattform. Ich bin sehr offen an die Sache herangegangen und folgte auch vielen Menschen, nicht weil ich sie kannte, sondern weil mich ihr Profil ansprach. Es waren Personen, die auch im HR arbeiteten oder sich einfach nur für New Work oder New Leadership interessierten. Weiters habe ich mich in die ein oder anderen Rooms einfach mal reingeklickt, um zuzuhören. Mein Fazit nach knapp 2 Wochen: Man trifft im Clubhouse sehr viele (wahre) HR ExpertInnen, kann sich super einfach mit neuen Leuten aus der Branche vernetzen und das eben über die Landesgrenzen hinweg. Neue und aktuelle Themen werden recht rasch aufgegriffen und man kann sich die verschiedensten Zugänge und Meinungen darüber anhören. Weiters ist es gerade für Menschen, die in einem vollen Raum normalerweise nicht die Hand heben würden, sehr simpel hier mitzudiskutieren – auch aufgrund der gewissen Anonymität. Diese bricht nämlich für manche Menschen eine Barriere auf, die Vorbehalte haben oder auch einfach nur zu schüchtern sind, sich mit anderen auszutauschen oder zu vernetzen.

Neben diesen sehr positiven Worten, möchte ich aber auch noch anmerken, dass ich weiters bemerkt habe, dass es immer noch viele Diskussionsrunden gibt, in denen Frauen zwar mit dabei sind, aber (leider) nur als stille Zuhörerin. Es sind doch mehrheitlich Männer, die Rooms eröffnen, leiten und sich zu Wort melden. Dabei gibt es auch recht unqualifizierte Äußerungen oder jene, die unter die Kategorie „na no na ned“ fallen und keinen echten Mehrwert bringen. Viele nutzen die virtuelle Bühne als ihre eigene, um narzisstische Züge auszuleben, so wie sie es auch in Real Life machen. Natürlich, gerade in Zeiten der Pandemie, wo sich eine echte Bühne nun mal nicht betreten lässt, ist die virtuelle ein toller Ersatz. Es bleibt spannend, wie sich Clubhouse nach der Pandemie, nach dem Lockdown, der die persönliche Kommunikation sehr einschränkt, entwickelt. Das Gute ist: Jede/r von uns kann entscheiden, ob man sich noch einen Social Media Kanal antun möchte und auch in welcher Intensität. Ich sehe durchaus Potential, sich besser mit der eigenen Community zu vernetzen und sich zu aktuellen Themen auszutauschen.

Key Take Aways:

Ohne iOS und Einladung zum Netzwerk kann man derzeit nicht partizipieren

Clubhouse ist sehr einfach in der Handhabung: Man kann schnell und unkompliziert einen „Raum“ eröffnen und mit der Diskussion loslegen

See Also

Die HR Community ist bereits recht stark auf dieser Plattform vertreten: Es gibt viele Diskussionsrunden zu interessanten Themen aus der HR Welt

Auch für schüchterne oder zurückhaltende Menschen ist diese Plattform geeignet, da man sich nicht unbedingt in eine Diskussion einbringen muss, sondern einfach nur zuhören kann

Durch die unkomplizierte Organisation von „Räumen“ können Personen auch über die Ländergrenzen hinweg sehr unkompliziert zusammengebracht werden, um sich zu einem Thema auszutauschen.

Diese virtuelle Bühne wird (leider) immer noch mehrheitlich von Männern genutzt, die sich aktiv auf Clubhouse einbringen. Ich beobachte immer noch viele Panels, die ausschließlich Männer am virtuellen Podium platziert haben.

Clubhouse als Employer Branding- oder Recruiting-Tool zu verwenden, macht derzeit nur bedingt Sinn, da die Plattform aufgrund der genannten Einschränkungen nicht für alle gleichermaßen zugänglich ist. Es bleiben aber die künftigen Entwicklungen abzuwarten – das Potential hierfür ist jedenfalls gegeben.

Eine In-House Variante dieser App birgt meiner Meinung nach für Unternehmen ein großes Potential, um die Interaktion der MitarbeiterInnen auch über Abteilungsgrenzen hinweg sicherzustellen und so auch die rasche und kurzfristige Bildung von informellen Austauschgruppen zu fördern.

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