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„Sind Sie momentan sexuell aktiv?“ Die absurdesten Fragen im Bewerbungsgespräch

„Sind Sie momentan sexuell aktiv?“ Die absurdesten Fragen im Bewerbungsgespräch

Es ist für mich unvorstellbar bzw. überhaupt nicht nachvollziehbar, aber es gibt sie wirklich: absurde Fragen, die im Laufe eines Bewerbungsgesprächs an den/die Jobsuchende/n gestellt werden. Dabei reichen diese sogar manchmal über jede Absurdität hinaus und überschreiten bereits die Grenze zur Belästigung bzw. Diskriminierung. Welche ich damit meine und wie man am besten damit umgehen sollte …

„Sind Sie momentan sexuell aktiv?“ – WTF?!

Vor einigen Wochen hat die deutsche Seite “Spiegel Online” eine Liste mit den schlimmsten Fragen an BewerberInnen veröffentlicht. Neugierig wie ich bin, klickte ich mich natürlich durch, und ich muss sagen: Ich war echt schockiert! Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass derartige Fragen wirklich in Gespräch gestellt wurden. Hier ein kurzer Auszug: “Würden Sie sich von Ihrem Partner trennen um weiterzukommen?”, “Würden Sie für einen sehr guten Job auf Familie und speziell auf Kinder verzichten?”, “Warum sind Sie nicht verheiratet?”, oder auch “Sind Sie momentan sexuell aktiv?”. Die gesamte Auflistung findet ihr hier. Es ist echt erschreckend, dass manche PersonalistInnen oder Führungskräfte es nur in Erwägung ziehen dies zu fragen bzw. geschweige denn es wirklich zu tun. Speziell mit derartigen Fragen wird eine persönliche Grenze überschritten. Diese sind verwerflich, beschämend und diskriminierend und haben in professionell geführten Gesprächen nichts verloren. Soviel sei vorab gesagt.

Doch warum werden sie überhaupt gestellt? Was möchte man damit erreichen? Ich muss dazu sagen, dass ich zum Glück niemand in meinem persönlichen Umfeld kenne, der/die auf derartige Fragen setzt, doch der übliche Tenor, warum diese gestellt werden, ist: “Ich möchte die Stressresistenz des/der KandidatIn abtesten” – Bullshit! Das ist vielleicht ein vorgeschobenes Argument, denn möchte ich wirklich testen, wie stressresistent jemand ist, dann kann ich dies nur tätigkeitsbezogen abfragen. Dies meint, dass mir eine scheinbar irrelevante oder gar unangenehme Frage keinen Aufschluss darüber geben kann, wie mit Druck während der Ausübung der jeweiligen Tätigkeit umgegangen wird. Stelle ich aber beispielsweise direkte Fragen, so kann ich mir als Recruiter bereits ein besseres Bild verschaffen: “Erzählen Sie mir von einer Situation in Ihrer bisherigen Tätigkeit, an der Sie an Ihre Grenzen geraten sind – was war hier ausschlaggebend und warum?”

Ein Bewerbungsgespräch ist immer ein Gespräch auf Augenhöhe!

Solltest du selbst mal eine unangenehme oder gar unangebrachte Frage gestellt bekommen, dann kann ich dir nur mitgeben: Du musst diese nicht beantworten! Entgegne dem/der InterviewerIn ganz direkt: “Diese Frage möchte ich nicht beantworten.” Wenn du ganz mutig bist, dann sprich dies ganz transparent direkt im Gespräch an: “Ich empfinde diese Frage als unangemessen und möchte sie deshalb auch nicht beantworten.” Das ist dein gutes Recht. Außerdem bedenke bitte, dass derartige Fragen mehr über die Person, die dir gegenüber sitzt bzw. das Unternehmen aussagen, als über dich selbst. Dies soll heißen, dass du dir im Umkehrschluss Gedanken machen solltest, ob du überhaupt bei einem Unternehmen arbeiten möchtest, in der eine derartige Kultur herrscht.

Ein Bewerbungsgespräch ist im Idealfall immer ein Gespräch auf Augenhöhe. Niemand sollte “BittstellerIn” o.Ä. sein, sondern du suchst dir deine/n zukünftige/n ArbeitgeberIn mit genauso viel Bedacht aus, wie das Unternehmen die künftigen MitarbeiterInnen. Behalte dies bitte immer im Hinterkopf. Vertrau in gewissen Situationen auch deinem Bauchgefühl: Kommt dir das Klima beim Gespräch, die gestellten Fragen, oder das Verhalten dir gegenüber im Allgemeinen komisch oder gar unangenehm vor, dann vertrau darauf und such dir lieber Alternativen.

Key Take Aways:

Ein Bewerbungsgespräch sollte immer ein Gespräch auf Augenhöhe sein: das Unternehmen möchte den/die BewerberIn kennen lernen, und genauso ist es umgekehrt

See Also

Das Gespräch sollte demnach auch von Respekt und Wertschätzung geprägt sein. Wird hier eine Grenze mit bestimmten Fragen überschritten, dann sprich dies direkt und transparent an bzw. beantworte die Frage nicht

Im Zweifelsfall vertraue deinem Bauchgefühl, bedanke dich für Einladung, verabschiede dich und sage höflich ab

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