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„Über welches Thema möchten Sie heute sprechen?“ Alles über meine Business Coaching Ausbildung

„Über welches Thema möchten Sie heute sprechen?“ Alles über meine Business Coaching Ausbildung

Fast 2 Jahre ist meine Business Coaching Ausbildung bereits her. Ich weiß noch genau, als ich mich damals zum Abschluss einem “echten” Fall stellen musste: Ich hatte die Aufgabe, ganz alleine alle Techniken, die ich die Wochen und Monate davor gelernt hatte in einem „Live Coaching“ anzuwenden. Nach fast eineinhalb Stunden war es dann soweit und es hieß: “Gratulation! Sie haben bestanden!” Nachdem ihr so viel Interesse daran gezeigt, mir so stark die Daumen gedrückt und mir einige Fragen dazu geschickt hattet, dachte ich mir, alle Infos in einen Blogpost zu verpacken. Hier ist er nun – viel Spaß beim Lesen!

Wie kam es zur Ausbildung?

Im HR-Bereich hat man es ja bekanntlich mit den verschiedensten Rollen zu tun: Führungskräfte, MitarbeiterInnen, dem Management, BetriebsrätInnen etc. und auch mit den unterschiedlichsten Themen, die meist nicht immer leicht zu lösen sind. Hier geht es meist um Kulturarbeit, um Change-Prozesse, Konflikt- und Zeitmanagement, aber auch um Strategieberatung. Ihr seht, sehr vielfältig aber auch sehr spannend, da man sich auf die verschiedenen Themen einstellen muss und natürlich auch auf die Personen und ihre Interessen. Speziell wenn es darum geht, Führungskräfte zu beraten bzw. zu unterstützen, kommt man irgendwann an seine Grenzen. Hier hilft es, wenn man “Werkzeuge/Tools” zur Seite gestellt bekommt, die einem die Kompetenz geben, sodass andere sich selbst helfen können. Genau das macht “Coaching”.

Was ist Coaching und wie unterscheidet es sich zum Business Coaching?

Coaching ist ein Begriff, der oft sehr unterschiedlich und recht missbräuchlich verwendet wird. Seinen Ursprung hat er aus dem Sportbereich: Hier wird der Coach als TrainerIn der mentalen Fähigkeiten verstanden. Das Setting ist aus der Therapie entlehnt, findet aber immer mehr Adaption an den wirtschaftlichen Kontext. Die Methode ist angelehnt an die systemisch lösungsfokussierte Kurztherapie und an die Gesprächstherapie von Rogers. Es gibt weiters 2 Zielgruppen, für die Coaching relevant ist: Business & Privat – der einzige Unterschied ist das Thema, um das es im Gespräch geht, ansonsten sind die Methoden und Techniken, die angewandt werden gleich. Im Coaching geht es also darum, dass die Lösung im Fokus steht und nicht das Problem. Weiters hilft der konstruktivistische Ansatz dabei, die richtige Haltung zu bewahren: Der/die KundIn steht im Mittelpunkt des Gesprächs, wobei das Gespräch auf Augenhöhe stattfindet. Gemeinsam entwickelt man aufgrund des lösungsorientierten Ansatzes alternative Sichtweisen, die wiederum zu neuen Handlungsmöglichkeiten führen. Wichtig zu wissen ist auch, dass Coaching keine Therapie (Psychotherapie) und keine Beratung (Lebens- und Sozialberatung) ist.

„Zwischen Problem und Lösung besteht keinerlei Zusammenhang“

Ulrike Aumaier, Aumaier Coaching

Worauf kommt es beim Coaching an? Wann ist man damit erfolgreich?

Das A und O ist die so genannte Coaching-Haltung, danach folgt aktives Zuhören und erst zum Schluss kommen die Methoden und Techniken. Klingt zu Beginn sehr banal, ist aber eine recht schwierige und vor allem anstrengende Aufgabe.

Die 4 Grundregeln zur Coaching-Haltung sind:

Empathie und aktives Zuhören

Akzeptanz und Wertschätzung

Ressourcen fokussieren und neutral sein

Authentizität und offen legen

Wendet man diese 4 Regeln an, so kann man damit schon sehr viele Menschen auf der Suche nach einer Lösung unterstützen. So einfach das auch klingt, wer dies schon einmal ausprobiert hat, weiß, wie schwer dies ist und wie viel Energie man selbst dafür aufwenden muss. Damit dein Gegenüber selbst zu einer Lösung kommt, ist es notwendig, dass du deine eigene Energie dafür zur Verfügung stellst. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man nach ein oder zwei Stunden recht fertig und geschafft ist. Das ist auch der Grund, wann eine Coaching-Einheit erfolgreich war. Der Erfolg liegt darin, das Gegenüber zum Denken angeregt und für sich neue Sichtweisen entwickelt zu haben. Es muss also nicht zwingend sein, dass der- oder diejenige aus der Tür hinausgeht und die ultimative Lösung parat hat. Oft sind der Prozess und der Denkanstoß viel wichtiger und hilfreicher, ganz nach dem Motto: “Zwischen Problem und Lösung besteht keinerlei Zusammenhang.”

Welche Fragetechniken hast du in der Ausbildung gelernt?

Grundlegend sind alle “W-Fragen” wichtig, da diese offen sind und dazu anregen weiter auszuholen und mehr zu erzählen – im Gegensatz zu geschlossenen Fragen, die kurz und bündig mit “ja” oder “nein” beantwortet werden können. Darüber hinaus sollen die W-Fragen ziel-, zukunfts- und verhaltensorientiert gestellt werden, wie beispielsweise: “Was müsste wer/wann/was Anderes tun, damit ein besseres Ergebnis herauskommt?” oder “An welchem Verhalten würden Sie/jemand anders bemerken, dass Sie das Ziel erreicht haben?”

Dabei gibt es weitere verschiedene Fragetechniken, die im Coaching-Gespräch angewendet werden können, wie beispielsweise:

Zirkuläre Fragen (zielen auf das Umfeld ab: “Was würde Ihre Kollegin zu dieser Veränderung sagen?”)

Ausnahmefragen (“Wann war das schon anders?”)

Wunderfrage (“Wenn morgen das Problem gelöst ist, woran würden Sie dies festmachen?”)

Skalierungsfragen (“Auf einer Skala von 1-10, wo stehen Sie derzeit, wenn Sie an xy denken?”)

Fragen zur Problemlösungsbalance (“Was ist gut am Gegenwärtigen?”, “Was soll so bleiben?”)

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„Repariere nichts, was nicht kaputt ist“

Ulrike Kriener, Aumaier Coaching

Kann man beim Coaching etwas falsch machen, sodass das Problem danach noch schlimmer ist?

Kurz gesagt: Nein. Auch wenn eine Methode, eine Fragetechnik etc. nicht so wirksam ist (das merkt man eh sofort!), dann einfach sein lassen und weitermachen: “Repariere nichts, was nicht kaputt ist”. Ein Problem oder ein Anliegen, das im Coaching Setting behandelt wird, ist meistens so vielfältig, auch wenn man sich zu Beginn denkt, dass es eh nur eine Kleinigkeit ist. Erst wenn man darüber spricht, beginnt es seine Dimensionen zu entfalten. Es gibt hier bestimmte Ebenen (sogenannte Meta-Ebenen), die man ansprechen kann: Werte & Glaubenssätze, Kontext, Beziehungen sowie Emotionen – egal welche man in den Fokus stellt, beim Gegenüber bewirkt es jedenfalls etwas. Ein Konflikt mit einem Arbeitskollegen kann beispielsweise entstehen, wenn die eigenen Werte verletzt werden oder wenn es ein Aufgaben- und Strukturproblem gibt. Entweder man spricht diese Ebenen an, oder die beiden anderen, es wird jedenfalls zur Lösung des Konfliktes beitragen.

Was war das schwierigste bei der gesamten Ausbildung?

Ich muss zugeben, am Nervösesten war ich zum Schluss, denn da stand das Abschluss-Coaching, also das Live Coaching am Programm. Davor hatten wir auch schon kurze Sequenzen, in denen wir Zeit zum Üben hatten, doch, wenn wir mal nicht weiter wussten, sprang die Trainerin ein und half uns. Beim Live Coaching waren wir für mind. 1 Stunde alleine mit dem/der KlientIn und mussten ohne Vorwissen zum Thema das Gespräch alleine führen. Das war schon sehr aufregend, aber auch lehrreich, da man sich beim Coaching ja grundsätzlich nicht vorbereiten kann. Das ist auch der Unterschied zu allen anderen Ausbildungen: Ich konnte mir zwar die Theorie durchlesen, doch in der Praxis kam es dann doch ganz anders.

Ich wusste gar nicht, wie schwer es sein kann, ein Problem oder ein Anliegen gemeinsam zu definieren und dann “auf den Boden zu bringen” sodass es beiden klar wird, woran wir nun wirklich arbeiten. Es wird im Coaching zwar viel gesprochen, doch ist vieles davon – vor allem zu Beginn – recht nebulös, also nicht klar und konkret. Die Kunst besteht darin, es im Gesprächsverlauf klar und deutlich werden zu lassen. Dabei muss man aber auf die Haltung (siehe oben) achten und versuchen ja nichts vorzugeben oder das Gespräch absichtlich (oder unabsichtlich) in eine gewisse Richtung zu lenken: Also der Weg wird vom/von der KundIn definiert und nicht vom Coach selbst. Klingt kompliziert? Ist es auch – aber: Übung macht den/die MeisterIn!

Wie lange hat die Ausbildung gedauert und wo hast du sie gemacht?

Meine Business Coaching Ausbildung hat ca. 1 Semester gedauert, also 3×2 Workshoptage (FR & SA), sowie 1×2 Tage Live Coaching. Ich habe sie bei Aumaier Coaching gemacht und kann sie dort nur empfehlen. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt, es wurde sehr intensiv auf unsere Fragen eingegangen und uns TeilnehmerInnen ein unheimlich großes und vielfältiges Wissen vermittelt. Die Ausbildung wird bei ca. 4-6 TeilnehmerInnen durchgeführt, es ist also kein Großgruppentraining, wo man selbst irgendwo untergeht und eine/r von vielen ist, sondern es wird wirklich auf die unterschiedlichen Themenstellungen und Bedürfnisse eingegangen. In meinem Fall hat mir das Unternehmen, bei dem ich angestellt bin, die Ausbildung nach einem MitarbeiterInnen-Entwicklungsgespräch ermöglicht. Deshalb sprich dies gerne auch in deinem Unternehmen an, da die Möglichkeit besteht – je nach der Art deines Jobs –, dass die Ausbildungskosten übernommen werden.

Key Take Aways:

Business Coaching beschäftigt sich mit Problem- und Themenstellungen im Kontext von Arbeit & Karriere und ist keine Therapie (Psychotherapie) oder Beratung (Lebens- und Sozialberatung)

Das wichtigste Element ist die Coaching-Haltung, danach folgt aktives Zuhören und erst später die verschiedensten Coaching-Techniken und -Methoden

Im Fokus steht immer die Lösung und nicht das Problem. Damit dein Gegenüber zu dieser kommt, ist es notwendig, dass du deine eigene Energie dafür zur Verfügung stellst (= Coaching-Haltung & aktives Zuhören)

Der Erfolg eines Coaching-Gesprächs liegt darin, das Gegenüber zum Denken angeregt und für sich neue Sichtweisen entwickelt zu haben.

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