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Wir sind’s, die „neuen Reichen“

Wir sind’s, die „neuen Reichen“

In den letzten Jahren konnte ich beobachten, dass sich die Einstellung zur Arbeit bei den Menschen grundlegend verändert hat. Bedingt durch den Generationenwechsel am Arbeitsmarkt hat sich nun auch die Wertigkeit dessen verändert: Geld ist nicht mehr das höchste Gut, welches zu Erreichen gilt – doch was ist nun an dessen Stelle getreten?

Was willst du später mal werden?

Das “Was willst du später mal werden?”-Spiel beginnt ja bereits recht früh. Schon im Kindergarten fragt man sich gegenseitig, welchen Beruf die Eltern nachgehen bzw. welchen man später selbst mal ausüben möchte. Diese Frage beschäftigt uns also bis ins hohe Alter, denn es gibt einfach viele Menschen, die sich nicht auf ein oder zwei Richtungen festlegen möchten. Wie dem auch sei, die Frage nach dem Beruf oder auch der Berufung ist eine, die uns unser Leben lang begleitet. In den letzten Jahren ist mir aufgefallen, dass sich die Wertigkeit unserer Tätigkeit grundlegend verändert hat.

Die Einstellung zur Arbeit ist irgendwo immer noch dieselbe geblieben, leider recht negativ. Arbeit wird oft mit Sklaverei gleichgesetzt. Wir gehen doch nur arbeiten, damit wir Geld verdienen und uns ein schönes Leben davon machen bzw. oft sogar, dass wir unsere Miete und unser Essen davon bezahlen können. Wahrscheinlich kommt diese Einstellung nicht von ungefähr, denn speziell in der Nachkriegszeit, wo es galt, sich sein Hab und Gut wiederum zu erarbeiten und aufzubauen, war Arbeit unumgänglich und das Mittel zum Zweck. Wollte man ein schönes zu Hause, so musste man hart dafür arbeiten.

„Je größer der Freiheitsgrad, desto mehr Verantwortung für sich selbst und sein Tun muss man übernehmen.“

Ani, Karrieregeflüster

1st World Problems …

Nicht, dass es jetzt nicht mehr so ist – bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich müssen wir unsere Erfolge oder das was wir besitzen möchten, hart erarbeiten. Zufliegen wird uns ein Haus oder ein Auto auch nicht. Im Gegensatz zur vorher genannten Nachkriegszeit, sind wir nicht gezwungen unseren Besitz von Grund auf zu erarbeiten. Dies haben bereits unsere Eltern oder Großeltern für uns erledigt: Wir haben ein schönes zu Hause, auch genug zu essen findet sich im Kühlschrank, und wir besitzen beispielsweise einen fahrbaren Untersatz bzw. zumindest doch eine Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die nötigen Lebensgrundlagen sind also vorhanden, sodass wir uns erhalten können.

So gesehen führen wir bereits ein Luxusleben, da die scheinbaren Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, eher Luxusprobleme sind. Trotzdem und gerade deswegen, weil wir unseren Lebensstil zumindest erhalten möchten, ist es wichtig dafür zu arbeiten. Da wären wir wiederum bei der zu Beginn gestellten Frage, nach dem Berufswunsch. Wir sind heute in der glücklichen Situation uns aussuchen zu dürfen, welche Ausbildung wir uns zu Nutze machen bzw. welchen Beruf wir schlussendlich ausüben möchten. Lehre, Studium, Zusatzausbildungen, Auslandserfahrungen etc. – alles kein Problem, denn auch dafür gibt es in schwierigen Situationen Hilfe von der eigenen Familie bzw. im worst case auch vom Staat.

Freiheit bedeutet Verantwortung

Diese Freiheit zu haben, über den persönlichen Werdegang frei zu entscheiden, bringt natürlich auch wiederum negative Seiten mit sich. Je größer der Freiheitsgrad, desto mehr Verantwortung für sich selbst und sein Tun muss man übernehmen. In den meisten Fällen gibt es niemanden, der einem sagt, was man zu tun hat, wenn es um den Ausbildungs- bzw. Berufswunsch geht. Wir können frei wählen! Auch wenn wir unseren scheinbaren Traumberuf gefunden haben, gibt es immer noch die Möglichkeit Zusatzausbildungen, Umschulungen etc. zu machen und uns so neu zu orientieren. Wir sind also nicht mehr in einer Sparte gefangen, sondern können immer die Chance ergreifen, neue Optionen auszuprobieren.

Die Arbeitsplatzbedingungen der (nahen) Zukunft werden auch immer flexibler werden (müssen) – Gleitzeit, Home Office, Vertrauensarbeitszeit etc. Der Weg geht weg von der Kontrolle, hinzu Vertrauen und Führung durch Zielvorgaben. Diese Flexibilisierung hört sich auf der einen Seite sehr positiv an, denn da wir die meiste Zeit im Office verbringen, wird es so einfacher das Privatleben mit dem Beruf mehr in Einklang zu bringen. Auf der anderen Seite jedoch, bedeutet mehr Freiheit auch wiederum mehr Verantwortung und im weiteren Sinne mehr Selbstdisziplin. Das Arbeiten vom Garten, vom Café oder von der Terrasse aus, klingt sehr verlockend und vielversprechend, doch müssen wir auch den Willen und die Disziplin haben, unter diesen angenehmen Voraussetzungen die geforderten Leistungen zu bringen.

See Also

„Reich ist wer genug Zeit für sich und sein Umfeld hat und damit auch seine Träume verwirklichen kann.“

Ani, Karrieregeflüster

Geld VS. Work-Life-Balance

Früher wurde auch mir noch eingebläut: “Du brauchst einen guten Job, damit du viel Geld verdienst.” So wurde ich erzogen und dieser Satz begleitet mich bis heute. Toller Job, gutes Geld – so kann ich mir selbst das leisten, was ich möchte. Dieser Satz hatte in den letzten Jahren auch seine Berechtigung. Wie stolz war ich, als ich selbst mein erstes und eigenes Geld verdiente! Das war schon ein sehr gutes Gefühl! Ich konnte weiterführend endlich auch zu Sparen beginnen, sodass ich mir später mein eigenes Auto leisten konnte. Mit den Jahren ist man in einer Art “Rad” drinnen, welches so auch gut funktionierte. Was aber auch mit den Jahren kommt, ist die Selbstreflexion: Mache ich den Job nur wegen des Geldes oder weil es auch jemand anderen etwas bringt? Kann ich damit etwas zurückgeben oder anderen helfen? Ist dies eine Tätigkeit, die mich auch seelisch befriedigt?

Man beginnt automatisch über sich und seine Arbeit nachzudenken und den übergeordneten Sinn zu finden. Darüber hinaus beginnt man auch über die Wertigkeiten nachzudenken: Geprägt von den vorangegangenen Jahren der Arbeit, wird somit auch immer die Zeit, die man für sich selbst, seine Familie, seine Kinder, seine Freunde usw. investieren möchte, wichtiger. Aufgrund meiner Beobachtungen nehme ich wahr, dass dieser Zustand, der sich in meinem Fall erst jetzt fast Mitte 30 ergeben hat, bereits bei der jüngeren Generation viel früher auftaucht. Sie geht bereits mit der Erwartung in einen Job hinein, dass die sogenannte Work-Life-Balance da ist und auch funktioniert bzw. fordern diese auch aktiv ein.

#FromMeToYou

Zeit ist also das neue Geld, welches eben auch eingefordert wird. Mit Geld lassen sich junge Talente also nicht mehr ködern bzw. wenn dann nur kurzfristig. Reich ist wer genug Zeit für sich und sein Umfeld hat und damit auch seine Träume verwirklichen kann. Reichtum wird also künftig anders definiert: Nur wer sich von den überfordernden Informationen, Erwartungen usw. freispielen kann und mehr oder weniger frei über seine Zeit verfügen bzw. sich diese einteilen kann, der/die ist wahrlich reich!

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