Angst als Karrierebremse? So setzt du dein volles Potential frei

Angst ist erlernt. Sie ist ein Programm der Psyche, das im Unterbewusstsein wirkt und uns schützen soll. Doch die Bedrohung ist nicht immer echt, oft hat sie ihren Sitz nur in unserer Vorstellungskraft, wo sie uns blockiert und an der Verwirklichung unserer Visionen hindert. Dies stellt Mental Coach und Tauchtrainer Christian Redl in seinem neuesten Buch „Dive Deeper – Tauch durch deine Angst“ aus dem novum Verlag fest. Wie wirkt sich das Konzept der Angst auf die Arbeitswelt aus, und welchen Einfluss haben die eigenen Gedanken auf den Erfolg bzw. Misserfolg der eigenen Projekte? Ich habe Christian zum Interview gebeten …

Check In:

Auf meiner Visitenkarte steht: Keynote Speaker, Weltrekordhalter im Freitauchen

In 3 Worten beschrieben bedeutet mein Job: Professioneller Luftanhalter (sind nur 2)

New Work definiere ich persönlich als: Ich arbeite nicht, sondern mache das was mir Spass macht

Die neue Arbeitswelt bedeutet für mich und meinem Job vor allem: Digitalisierung

Lieber Christian, du hast deinen Job als Investmentbanker aufgegeben, um dir deinen Traum als Apnoetaucher zu erfüllen – und dies zusätzlich noch mit dem Handicap einer Fußfehlstellung. Wie kam’s dazu, und was genau war dein Antrieb?

Ich war 6 Jahre alt als ich zu Weihnachten meine erste Schnorchelausrüstung bekam. Mit 10 Jahren tauchte ich zum ersten Mal mit einer Pressluftflasche. Ich war als Kind also weitaus mehr unter Wasser als über Wasser. Mit 17 Jahren sah ich dann den Film „Im Rausch der Tiefe“. Ab da wusste ich es: Ich will so werden wie Jean Reno im Film. Ein weiterer Film der mich faszinierte und auch prägte war „Wallstreet“ mit Michael Douglas. Ich konnte beides in meinem Leben vereinen. Zuerst verfolgte ich meine Investmentbanker-Karriere, mit 30 Jahren traf ich dann die beste Entscheidung meines Lebens und wurde Profisportler. Seither bin ich selbstständig.

Du kannst stolz auf 11 Weltrekorde im Freitauchen zurückschauen und lebst nun deine Berufung als Mental Trainer, Key Note Speaker, Freitauch-Instruktor und jetzt auch als Buchautor im novum Verlag. Waren dies immer schon deine Ziele, die du akribisch verfolgt hast, oder hast du dich eher „treiben lassen“? Welchen Stellenwert haben Ziele für dich?

Ich wusste schon immer, was ich werden wollte und habe diese Ziele ständig verfolgt, so auch im Sport. Ohne Ziele geht nichts. Ich wollte immer vom Sport leben – in Österreich unmöglich, weil Apnoetauchen kein anerkannter Sport ist. Nimmt man es genau, so bin ich eigentlich kein Sportler sondern Unternehmer. Wichtig war mir immer schon, meine Erfahrungen mit anderen Menschen teilen zu können. Jetzt kann ich sagen, ich führe das für mich perfekte Leben, besser geht es nicht! Und genau das wünsche ich jedem Menschen. Deshalb möchte ich so viele Menschen wie möglich erreichen. Dies gelingt mir als Speaker und Autor am besten.

Positive Gedanken verbrauchen weniger Sauerstoff als negative Gedanken. Gedanken haben also immense Auswirkungen auf unseren Körper und auf unsere Leistungsfähigkeit.

Christian Redl, Freitaucher & Mentaltrainer

Dein Buch „Dive Deeper – Tauch durch deine Angst“ inspiriert nicht nur Menschen, die selbst gerne tauchen, sondern auch vor allem jene, die sich in der Arbeitswelt befinden. Wie sollte man deiner Meinung nach Angst im New Work-Kontext begegnen, sodass diese nicht zu einer „Karrierebremse“ wird?

Angst ist eine Bremse. Manche Menschen finden Angst gut, weil sie einen vor Gefahren schützen soll. Ich sehe das aber komplett anders. Angst ist eine mentale Blockade, sie ist nicht real und liegt vor allem in der Zukunft. Im Unterschied zur Gefahr. Die Gefahr ist real und liegt im Hier und Jetzt. Man sollte auf jeden Fall Respekt haben vor den Dingen, die man tut, dann brauch ich aber keine Angst. Respekt schützt mich nämlich genauso, aber verhindert vor allem Blockaden, die mich in meiner Performance einschränken. Deshalb sollten wir das Konzept der Angst im New Work-Kontext durch Respekt ersetzen, weil es auf die Gegenwart abzielt.

Du schreibst auch, dass man gerade durch die eigenen Gedanken sehr großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg seiner Projekte hat. Was genau bedeutet das, und wie kann man sich diesen Umstand zunutze machen?

Durch meine Erfolge und Misserfolge, aber auch durch meine über 10.000 Schüler:innen, die ich in den letzten 20 Jahren begleiten durfte, habe ich einiges über die Auswirkungen und die Macht der eigenen Gedanken gelernt. So verbrauchen positive Gedanken beispielsweise weniger Sauerstoff als negative Gedanken. Gedanken haben also immense Auswirkungen auf unseren Körper und auf unsere Leistungsfähigkeit.

(c) Martin Aigner Photography

Das „Hier und Jetzt“ hat für dich eine große Bedeutung und Kraft. Warum ist es im Sport, aber gleichermaßen auch im Arbeitsalltag so wichtig?

Bei meinen Tauchgängen hat das Hier und Jetzt eine extrem wichtige Bedeutung, und zwar weil ich keine negativen Gedanken verschwenden kann. Dies hätte eine sofortige Auswirkung auf meine Leistungsfähigkeit. Ich habe Menschen noch nie verstanden, die mehr in ihrer Vergangenheit leben als in der Gegenwart. Man kann die Vergangenheit nicht ändern. Somit brauche ich mich damit auch nicht auseinander setzen. All jene Menschen, die nur in der Zukunft leben, verlieren sich oft darin und verlieren somit auch den Bezug zur Gegenwart, wo Leben stattfindet.

Wie schaffe ich es meine Komfortzone zu verlassen, und warum ist es so wichtig, um Krisen besser überstehen zu können?

Wenn man die Komfortzone verlässt, kommt man in die sogenannte Angstzone. Wenn man diese überwindet, folgt danach die Lernzone und zum Schluss kommt man in die Wachstumszone. Ich finde, jeder Mensch sollte gelegentlich seine eigene Komfortzone verlassen, und das vor allem freiwillig! Viele von uns haben gerade in den letzten Jahren eher unfreiwillig die Komfortzone verlassen müssen (Stichwort: Pandemie, Inflation, usw.). Wenn man dies aber freiwillig macht, so lernt man und wächst dadurch immens. Wenn man seine Komfortzone nie verlässt, dann wird diese jedoch immer kleiner. Und je kleiner die Komfortzone ist, desto unentspannter ist das Leben. 

Das gesamte Interview kannst du dir hier ansehen:
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Du hast ein persönliches Herzensprojekt, das „7Oceans – for the love of the oceans“. Womit beschäftigt sich dies genau, und wie bist du dazu gekommen?

Ich habe das große Glück, schon fast überall auf diesem Planeten getaucht zu sein: Südsee, Karibik, Nordpol, Grönland usw. Dabei habe ich gesehen und hautnah miterlebt, wie es um unsere Ozeane steht. Jeder zweite Atemzug kommt aus dem Meer. Stirbt das Meer, stirbt der Mensch! Dagegen möchte ich etwas tun. Das Meer hat mir mein perfektes Leben ermöglicht, und jetzt ist es an der Zeit etwas zurück zu geben. Dies war der Grund, warum ich einen gemeinnützigen Verein gegründet habe, nämlich „7Oceans – for the love of the oceans“.

Welchen (mentalen) Lieblingstipp möchtest du noch unbedingt mit der Karrieregeflüster-Community teilen?

Bei Stress, Angst, Schlaflosigkeit, wenn man eine erhöhte Konzentration erreichen möchte, oder auch die Regenerationszeit nach einer körperlichen Betätigung wie zB. Sport verkürzen möchte, dann gilt: richtig Atmen. Dies meint einzuatmen und mindestens doppelt solange auszuatmen! Es funktioniert! Probiert es gerne aus 🙂

About

Für den 1976 in Korneuburg geborenen Christian Redl hat Angst schon in jungen Jahren eine entscheidende Rolle gespielt. Aufgrund einer Fußfehlstellung wurde ihm prognostiziert, dass er sein Leben lang unter diesem Manko leiden werde. Christian hat sich davon nicht beirren lassen, ganz im Gegenteil: Nach dem Abschluss der Handelsakademie übte er über Jahre hinweg äußerst erfolgreich den Beruf als Investmentbanker aus. Wahre Verwirklichung sollte er jedoch in seiner Berufung als Freitaucher finden: Nach 11 Weltrekorden ist der verheiratete Vater einer Stieftochter nach wie vor bereit, sich neuen Herausforderungen zu stellen in seinen Rollen als Mentaltrainer, Keynote-Speaker und Freitauch-Instruktor.

Foto: Sophisticated Pictures

Titelbild: Martin Aigner Photography

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